Geschichte

Unser Betrieb wurde von unserer Mutter, Maria Wild, im Jahr 1960 begründet und seither mehrmals erweitert und modernisiert.

Maria wurde 1921 geboren, ihre Familie betrieb eine große Landwirtschaft und sie arbeitete nebenbei auch als Wirtschaftsberaterin in den umliegenden Gemeinden.

Nach den Wirren des 2. Weltkriegs und dem Verlust ihrer Heimat, kamen Maria und ihr zukünftiger Mann Leopold nach Wien. Die ersten Jahre lebten sie bei Verwandten in Untermiete, nahmen jede Gelegenheit wahr, um sich finanziell über Wasser zu halten und bekamen ihr erstes Kind, Inge, meine Schwester. Sie verkaufte Blindenlose, übernahm Reinigungs- und Wäschearbeiten. Leopold holte ab und lieferte die Wäsche mit seinem Motorrad.

Eines Tages bot eine Wäschekundin – sie war Sekretärin einer Hausverwaltung – Maria einen Posten als Hausbesorger an. Maria und Leopold nahmen das Angebot an und begannen im Jahr 1954 hier im Haus Lange Gasse 10 ihre Tätigkeit. Maria erledigte den Großteil der anfallenden Arbeiten, denn Leopold arbeitete zusätzlich als Vertreter eines großen Verlages und war in ganz Österreich unterwegs.

Im März 1959 kam ich, Peter, zur Welt und in der Hausbesorgerwohnung, zwei kleine Zimmer und ein kleiner Vorraum, wurde es bald eng. Nur ein Jahr später, 1960, zog eine Partei aus dem 3. Stock des Hauses aus und unsere kleine Familie übersiedelte in diese schöne, große Wohnung.
Im selben Jahr begann Maria mit dem Vermieten von Zimmern, meist an Arbeiter oder Reisende aus Ungarn.

Als einige Jahre später wieder eine Wohnung frei wurde, mietete Maria auch diese an und erweiterte ihre Zimmervermietung, die dann schon als Fremdenherberge gewerblich gemeldet wurde. Da meine Eltern immer fleißig und auch sparsam waren, konnten sie einige Jahre später das Angebot, eine Haushälfte zu kaufen, annehmen und wurden so von Hausbesorgern zu Hausbesitzern. Dennoch blieb Maria bis zu ihrem wohlverdienten Ruhestand 1989 ihrer Tätigkeit als Hausbesorger treu, wusch die Treppen, putzte die Fenster und schaufelte im Winter schon früh am Morgen den Schnee vom Gehsteig.

Die Fremdenherberge vergrößerte sich im Laufe der Jahre und es galang der Familie auch, die zweite Hälfte des Hauses zu erwerben. Die meisten Zimmer waren groß und für vier bis sechs Gäste ausgelegt. Es folgten Jahre der Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen, was nicht immer ohne Probleme und friedlich verlief. Maria war immer guten Mutes, schlichtete wo es ging und half den bei ihr untergebrachten Leuten mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Durch Zufall kamen Rucksacktouristen, meist Studentinnen aus den USA, an die Adresse der Fremdenherberge und bald schon wurde in Reiseführern wie z. B. Let’s go Europa oder Frommers über Maria und ihre Zimmervermietung berichtet. Oft stand sie auch am Bahnhof, fragte ankommende Touristen, ob sie eine Unterkunft suchen, und füllte so ihre Zimmer.

Einmal schrieb Let’s go Europa sogar: „Wenn du in Wien ankommst und eine freundliche ältere Dame fragt dich, ob du Zimmer suchst, sie sei die Mama Wild, mach die Augen zu und geh mit!“ Ihre Herzlichkeit und Freude an diesem Beruf hat ihr sehr geholfen und so erfreute sich das kleine Unternehmen bald großer Beliebtheit.

Nach einer Ausbildung an der Hotelfachschule Bad Gleichenberg und einer Ausbildung zum Fotokaufmann kam ich im Jahr 1982 in den Betrieb und half meiner Mutter bei dessen Führung.

Wir bauten die großen Zimmer zu Zweibettzimmern um, renovierten, modernisierten und wurden zur Frühstückspension. Da mein Vater mich schon in jungen Jahren bei Renovierungsarbeiten jeder Art in verschiedenen Tätigkeiten unterwies, konnte ich selbst sehr viele Arbeiten erledigen und so kostentechnisch die meisten Modernisierungen erst ermöglichen. Wir bauten Zimmer mit Dusche und WC, einen größeren Frühstücksraum mit Buffet, eine kleine Rezeption und ein neues Büro. Immer darauf bedacht, dass sich unsere Gäste bei uns wie zu Hause fühlen.

Marias Philosophie war immer: „Wenn die Gäste als Gäste kommen und als Freunde gehen, haben wir es richtig gemacht.“

Im Jahr 1989 übernahm ich den Betrieb und obwohl Maria ihren Ruhestand genießen sollte, kümmerte sie sich solange es ging um ihr Lebenswerk: die Pension Wild.

Im November 2009 starb unsere liebe Mutter nach kurzer Krankheit friedlich im Kreise ihrer Familie, mit dem Wissen, viel geleisten und vielen Menschen Freude bereitet zu haben.

Danke